Grömitz hat schon in früheren Jahrhunderten einen Seehafen gehabt. Auf zwei Karten der Halbinsel Wagrien aus dem Jahr 1652 ist vor der Küste von Grömitz die Bezeichnung „Haven“ eingetragen. Im Textteil ist vermerkt: „Grömbsee, ein Flecke, hat einen Meerhafen“. Wann und zu welchem Zwecke dieser Hafen errichtet wurde und welche Form er hatte, darüber kann nur spekuliert werden. Möglicherweise hat er eine Mole als Schutz gehabt, sonst wäre es kein „Hafen“ gewesen. Vielleicht bedeutet „Meerhafen“ aber auch, dass es sich nur um eine Reede, also ein Ankerplatz, gehandelt hat.
Sicher ist aber, dass von Grömitz aus über See früher schwunghafter Handel mit Lübeck getrieben wurde: Etwa 10 Grömitzer Schiffe lieferten um 1670 Bauholz, Käse, Butter, Gerste und Weizen nach Lübeck und brachten auch Waren wie z.B. Zucker, Gewürze und Farben, wieder mit zurück. Im 19. Jahrhundert dagegen scheint zunächst keine Hafenanlage mehr vorhanden gewesen sein, denn als 1811 die Lübecker Bucht im Auftrage Napoleons genau vermessen wurde, fehlt eine Erwähnung des Grömitzer Hafens.
Der Neubau in den 60er Jahren
Mehrere Faktoren waren ausschlaggebend, dass im letzten Drittel des 20.
Jahrhunderts ein neuer Hafen entstand. Zunächst einmal fing der
Tourismus an zu boomen und die zunehmende Zahl an Segel- und Motorbooten
löste eine steigende Nachfrage nach Liegeplätzen aus. Dann stellte der
neu gegründete Grömitzer Segel-Club den damals wagemutigen Antrag, ein
Liegeplatz mit einem Seesteg in der Form eines „T“ errichten zu dürfen,
an dem die Boote beidseitig mit dem Heck an Bojen befestigt werden
sollen. Wagemutig war dieser Antrag, da es bisher keinen Hafen an der
gesamten Küste gab, der ohne natürlichen Schutz in die offene See hinaus
gebaut worden war. Und dann kam der dritte, ausschlaggebende
Faktor hinzu: Für die Segel-Olympiade 1972 wurde ab 1965 in
Kiel-Schilksee ein Segelhafen gebaut, der bei Ostwind nahezu an der
offenen See liegt. Von diesen ähnlichen Plänen beflügelt, wagte auch das
Ostseebad Grömitz den Schritt und baute in mehreren Bauabschnitten von
1967-69 für insgesamt ca. 5. Mio. DM am Südwestende des Grömitzer
Kurstrandes einen Yachthafen für etwa 500 Boote.
Die Erweiterung 1990-92
Etwa zwanzig Jahre nach dem fortschrittlichen Neubau beschloss die
Gemeindevertretung, für eine Gesamtinvestition von 7,4 Mio. DM, die
sanierungsbedürftige Mole komplett neu zu bauen, den Hafen um zwei Stege
zu erweitern und die vorhandenen 10 Stege zu verlängern. Einen
Schwerpunkt der Planung bildete die Gestaltung der Hafeneinfahrt und
eine Verminderung der Lee-Erosion. Zur Erhöhung der Stabilität wurden
die Molen auf Faschinen aus Geo-Textil mit aufgebundenen Reisigmatten
verlegt. Feines Packwerk im Molekern soll nun die Sanddurchlässigkeit
stoppen und so die Versandung des Hafenbeckens verhindern. Zusätzlich
wurde für die Versorgung der letzten Stege ein drittes modernes
Sanitärgebäude errichtet. Nach der Erweiterung bietet der Grömitzer
Yachthafen Platz nun Platz für über 780 Liegeplätze und zählt zu einer
der wichtigsten touristischen Einrichtungen der Region.
Quelle:
„30 Jahre Jachthafen Ostseeheilbad Grömitz, Jubiläums-Festschrift, 1997